Opeths Wurzeln im doomigen, skandinavischen Death Metal sind sicher nicht zu leugnen, aber die emotionalen und melodischen Akzente, die man auf ihrem zehnten Studioalbum „Heritage" findet, kündigen ein neues Kapitel ihrer Karriere an. Frontmann, Sänger, Gitarrist, Songwriter und Langzeitmitglied Mikael Åkerfeldt hat es geschafft, mit seiner Band künstlerisch einen großen Schritt nach vorne zu machen, ohne jedoch den Spirit der vorherigen Alben dafür zu opfern.
"I've become synonymous with Opeth," sagt er, und spielt damit auf seinen Hang zur Perfektion und die Tatsache an, dass er verantwortlich für jene - bewussten -Veränderungen ist. „I've been writing the material since the first album. I've been steering the ship for many years now and I'm quite comfortable. It's something that I created and the people that have been in Opeth with me have helped make this into a very special band."
Das aktuelle Album der aus Stockholm, Schweden stammenden Virtuosen ist ein dichtes Labyrinth aus Tempiwechseln, Experimentierfreude und eigenwilligen Rhythmen. Gekonnt packen Opeth aber gleichzeitig viel Emotionalität und Optimismus in ihre Songs. Natürlich ist der Grundtenor tendenziell eher düster, aber auf „Heritage" dringt die Band auch in hellere Gefilde vor.
"This album is not really an 'extreme metal' type of record, I suppose, but it is 'extreme' in a different way," meint Åkerfeldt. „It's intense in a different way. It felt right for us to do a record like this right now. Most of the people who have been with us for a while are getting into this album. They seem to like it as much as we do."
Ein Opeth-Album soll als ein großes Ganzes wahrgenommen werden. Im Zeitalter von Downloads und Singles, in dem sich immer weniger intensiv mit den Gesamtwerken beschäftigt wird, stechen komplexe Opeth-Alben wie "Still Life", "Blackwater Park", "Ghost Reveries" und auch "Heritage" aus der Masse heraus.
"It's a slightly old school idea but when we put out a record there are no 'key songs.' It's the album that matters," erklärt der Frontmann. "We'll never have a 'hit single.' By no means would I want one song to be more important than another. We always put out an album and I personally enjoy listening to entire records. That is the kind of art that I like. I like bands with strong albums as opposed to just a couple of strong songs."
Opeth zeigen sich auf ihrem aktuellen Werk so akkurat, fokussiert und leidenschaftlich wie eh und je. Auf "Heritage" ist es ihnen tatsächlich gelungen, gleichzeitig mit mehr weniger und mit weniger mehr zu erreichen. An der Oberfläche scheinen die Songs eingängig, aber taucht man tiefer ein, zeigen sie eine unglaubliche Komplexität.
Åkerfeldt lud PORCUPINE TREE Mastermind Steven Wilson, mit dem er seit über zehn Jahren befreundet ist ein, „Heritage" mit ihm gemeinsam abzumischen. „We've worked with different engineers but we never had anyone that we wanted their opinion on our music apart from Steven. The last album we did with him was Damnation. He was busy when we were doing Ghost Reveries and Watershed. He's just one of those guys I completely trust musically. He's been sort of a mentor to me in some way. I've learned a lot of stuff from him about production."
Das Artwork von „Heritage" spiegelt visuell dessen Musik wider - erneut eine durchaus bewusste Entscheidung. Åkerfeldt wollte mit dem für Opeth-Verhältnisse sehr farbigen und detailfreudigen Cover ein Statement abgeben. Es enthält viele Details, die symbolisch für die Geschichte der Band sind. Wie schon bei IRON MAIDENs "Powerslave" kann man das Artwork stundenlang betrachten und entdeckt doch immer wieder etwas Neues.
Travis Smith, mit dem die Band schon lange zusammenarbeitet, war für das Coverartwork zuständig. Åkerfeldt hatte ihm dazu vorab einige Kunstwerke als Referenzen genannt, wie „The Triumph of Death" des flämischen Renaissance-Malers Pieter Brugel der Ältere (welches Metalheads vom „Greatest Hits" Cover von Black Sabbath kennen), die Arbeiten von Hieronymus Bosch und „Yellow Submarine" von den Beatles.
Im Zentrum des Bildes steht ein Baum, der die Köpfe der einzelnen Bandmitglieder wie Früchte trägt: Åkerfeldt, Martin Mendez (Bass), Martin „Axe" Axenrot (Schlagzeug) und Fredrik Åkesson (Gitarre). Der Kopf von Per Wiberg, der die Band nach den Aufnahmen seiner Keyboard-Parts verlassen hatte, fällt gerade vom Baum herab, mitten in einen Haufen Schädel ehemaliger Mitglieder. Der Baumstamm ragt tief hinab in eine Unterwelt, die von teuflischen Figuren bewohnt wird, was Opeths Wurzeln im Death Metal symbolisiert.
Die neun Sterne am Himmel stehen für die bisherigen Veröffentlichungen von Opeth: Zunächst das epische Debütalbum „Orchid", das auf eine ganz besondere Weise Death Metal, Black Metal, Progressive Rock und Folkelemente zu langen, schwermütigen Kompositionen vereinte. Darauf folgte „Morningrise", das von diversen Magazinen schlicht und einfach als „perfekt" bezeichnet wurde, und anschließend „My Arms, Your Hearse", das laut Metalstorm einem „trip to heaven" gleichkam.
Genau wie seine Vorgänger war „Still Life" ein Konzeptalbum.
The Village Voice verglich Opeth auf „Blackwater Park" sogar mit King Crimson. „A metal fusion of Pink Floyd and the Beatles".
Auf "Deliverance" und „Damnation", die ursprünglich als Doppelalbum konzipiert worden waren, folgten die beiden Roadrunner Veröffentlichungen "Ghost Reveries" und „Watershed".
"The sun in the sky symbolizes the new album, Heritage," erklärt Åkerfeldt. Im Hintergrund sieht man eine brennende Stadt, die den Niedergang der Zivilisation darstellt. Von dort führt eine Schlange an Leuten zum Baum hin, die sich an den künstlerischen Früchten der Band nähren wollen. „There's a crowd of people in line to get to the tree. Everybody wants a piece of us."
"I'm not a complete attention whore in that I want us to have constant confirmation of how great we are all of the time," meint Åkerfeldt. „But over the years there's been people who approach us, who we can tell have been moved by our music or our lyrics. When someone comes up and tells you that they got married to one of your songs, that's big if you know what I mean. I don't need some kind of prize in the future saying what I've actually achieved in the music world. It doesn't matter to me. But individual things that we're being told by fans? That's what matters the most."
Zum Glück für all diejenigen Fans, die ja auch in Form der symbolischen Schlange auf dem Cover von „Heritage" verewigt sind, ist bei Opeth kein Ende in Sicht. „Opeth will be around as long as we feel that we can put out interesting music," verspricht Åkerfeldt. „The idea with Opeth is to do music we want to hear. So unless we can't do that we'll just quit."
"Every album could be the last of course." fügt er hinzu.
Eine Drohung?
"It's not a threat, but we really want to honor that tradition of putting out records we want to hear. It feels like a little bit of rejuvenation with Heritage. We found a new sound we'd like to explore a little further. We just have to see where it takes us."













