
Opeths Wurzeln im doomigen, skandinavischen Death Metal sind sicher nicht zu leugnen, aber die emotionalen und melodischen Akzente, die man auf ihrem zehnten Studioalbum „Heritage" findet, kündigen ein neues Kapitel ihrer Karriere an. Frontmann, Sänger, Gitarrist, Songwriter und Langzeitmitglied Mikael Åkerfeldt hat es geschafft, mit seiner Band künstlerisch einen großen Schritt nach vorne zu machen, ohne jedoch den Spirit der vorherigen Alben dafür zu opfern.
"I've become synonymous with Opeth," sagt er, und spielt damit auf seinen Hang zur Perfektion und die Tatsache an, dass er verantwortlich für jene - bewussten -Veränderungen ist.
Das aktuelle Album der aus Stockholm, Schweden stammenden Virtuosen ist ein dichtes Labyrinth aus Tempiwechseln, Experimentierfreude und eigenwilligen Rhythmen. Gekonnt packen Opeth aber gleichzeitig viel Emotionalität und Optimismus in ihre Songs. Natürlich ist der Grundtenor tendenziell eher düster, aber auf „Heritage" dringt die Band auch in hellere Gefilde vor.
Ein Opeth-Album soll als ein großes Ganzes wahrgenommen werden. Im Zeitalter von Downloads und Singles, in dem sich immer weniger intensiv mit den Gesamtwerken beschäftigt wird, stechen komplexe Opeth-Alben wie „Still Life", „Blackwater Park", „Ghost Reveries" und auch „Heritage" aus der Masse heraus.
Opeth zeigen sich auf ihrem aktuellen Werk so akkurat, fokussiert und leidenschaftlich wie eh und je. Auf „Heritage" ist es ihnen tatsächlich gelungen, gleichzeitig mit mehr weniger und mit weniger mehr zu erreichen. An der Oberfläche scheinen die Songs eingängig, aber taucht man tiefer ein, zeigen sie eine unglaubliche Komplexität.
Åkerfeldt lud PORCUPINE TREE Mastermind Steven Wilson, mit dem er seit über zehn Jahren befreundet ist ein, „Heritage" mit ihm gemeinsam abzumischen. „We've worked with different engineers but we never had anyone that we wanted their opinion on our music apart from Steven. The last album we did with him was Damnation. He was busy when we were doing Ghost Reveries and Watershed. He's just one of those guys I completely trust musically. He's been sort of a mentor to me in some way. I've learned a lot of stuff from him about production."
Das Artwork von „Heritage" spiegelt visuell dessen Musik wider - erneut eine durchaus bewusste Entscheidung. Åkerfeldt wollte mit dem für Opeth-Verhältnisse sehr farbigen und detailfreudigen Cover ein Statement abgeben. Es enthält viele Details, die symbolisch für die Geschichte der Band sind. Wie schon bei IRON MAIDENs „Powerslave" kann man das Artwork stundenlang betrachten und entdeckt doch immer wieder etwas Neues.
Travis Smith, mit dem die Band schon lange zusammenarbeitet, war für das Coverartwork zuständig. Åkerfeldt hatte ihm dazu vorab einige Kunstwerke als Referenzen genannt, wie „The Triumph of Death" des flämischen Renaissance-Malers Pieter Brugel der Ältere (welches Metalheads vom „Greatest Hits" Cover von Black Sabbath kennen), die Arbeiten von Hieronymus Bosch und „Yellow Submarine" von den Beatles.
Im Zentrum des Bildes steht ein Baum, der die Köpfe der einzelnen Bandmitglieder wie Früchte trägt: Åkerfeldt, Martin Mendez (Bass), Martin „Axe" Axenrot (Schlagzeug) und Fredrik Åkesson (Gitarre). Der Kopf von Per Wiberg, der die Band nach den Aufnahmen seiner Keyboard-Parts verlassen hatte, fällt gerade vom Baum herab, mitten in einen Haufen Schädel ehemaliger Mitglieder. Der Baumstamm ragt tief hinab in eine Unterwelt, die von teuflischen Figuren bewohnt wird, was Opeths Wurzeln im Death Metal symbolisiert.
Die neun Sterne am Himmel stehen für die bisherigen Veröffentlichungen von Opeth: Zunächst das epische Debütalbum „Orchid", das auf eine ganz besondere Weise Death Metal, Black Metal, Progressive Rock und Folkelemente zu langen, schwermütigen Kompositionen vereinte. Darauf folgte "Morningrise", das von diversen Magazinen schlicht und einfach als „perfekt" bezeichnet wurde, und anschließend „My Arms, Your Hearse", das laut Metalstorm einem „trip to heaven" gleichkam.












